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Seeschifffahrt: Umweltschutz tut Not

In der öffentlichen Wahrnehmung spielt das Thema Umweltschutz bei Seeschiffen immer eine Rolle, wenn es zu größeren Unfällen kommt. Ölverschmutzte Strände, sterbende Seevögel oder tote Fische sorgen für Aufmerksamkeit. Dabei wird die laufende Umweltbelastung häufig übersehen, die Seeschifffahrt erscheint im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern schadstoffarm.

Schweröl als Treibstoff belastet stark

Das ist aber ein Trugschluss. Tatsächlich tragen die rund 100.000 Schiffe auf den Weltmeeren erheblich zu Umweltbelastungen bei. Rund eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid werden jährlich im Seeverkehr ausgestoßen, das sind immerhin rund drei Prozent der globalen CO2-Emissionen. Bei Schwefeloxiden liegt der Anteil bei sechs Prozent und bei Stickoxiden sind es sogar zwanzig Prozent. Auch Ruß und Feinstaub wird in beträchtlichen Mengen produziert. Verursacher dieser Emissionen ist vor allem das stark schwefelhaltige Schweröl, das beim Antrieb verbrannt wird.

Es gibt zwar inzwischen internationale Standards, die zur Verringerung von Schifffahrts-Emissionen beitragen sollen, aber sie sind lückenhaft und greifen nur langsam. So hat die IMO – eine Unterorganisation der UNO, die sich mit Regeln der internationalen Seeschifffahrt befasst – eine Verringerung des Schwefelanteils beim Treibstoff auf 0,5 Prozent beschlossen. Bisher beträgt er bis zu 3,5 Prozent. Die Vorgabe gilt allerdings erst ab 2020. Im harten internationalen Wettbewerb der Werften und Reedereien bleiben kostspielige Maßnahmen zur Emissionsverringerung häufig auf der Strecke.

Alternativen bei Antrieb und Treibstoff

Dennoch existieren Ansätze, die Hoffnung machen. Dabei geht es um alternative Antriebsformen und Treibstoffe, aber auch um intelligentere Lösungen im Seeverkehr und in den Transportabläufen.

Das E-Schiff ist dabei mehr als eine Vision. In Norwegen wird derzeit an dem bislang größten Elektroschiff gebaut. Ab nächstem Jahr soll eine rein elektrisch betriebene Katamaran-Fähre bis zu 120 Pkw im Fährverkehr transportieren. Dank Leichtbauweise wird die Fähre genauso leistungsfähig sein wie ein Schiff mit herkömmlichem Antrieb und sich auf Dauer rechnen.

Bis zum E-Schiff im internationalen Seefracht-Verkehr ist allerdings noch ein weiter Weg. Zwischenzeitlich sind andere Lösungen beim Treibstoff realistischer. Flüssigerdgas oder LNG (Liquefied Natural Gas) ist eine solche Lösung. Auf den Meeren sind bereits gut 100 Schiffe mit diesem wesentlich emissionsärmeren Treibstoff unterwegs. Und viele Häfen sind dabei, die nötige Infrastruktur für die LNG-Versorgung zu schaffen.

Auch Hybridantrieb ist ein Thema. Vor allem in der Küstenschifffahrt gibt es gute Einsatzmöglichkeiten. Dabei werden die Schiffe so ausgerüstet, dass alternativ mehrere Antriebsarten und Treibstoffe genutzt werden können – je nach Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Antrieb mit Strom in Hafennähe, die wechselweise Nutzung von Diesel, LNG, Biosprit oder Methanol auf See, sogar der ergänzende Einsatz von Windkraft sind denkbar.

Weniger Treibstoff ist möglich

Andere Ansätze konzentrieren sich auf Möglichkeiten zur Treibstoffeinsparung. Sie sollen vor allem durch eine Optimierung von Abläufen und eine effizientere Fahrweise erreicht werden. So könnte die Fahrtgeschwindigkeit so angepasst werden, dass der Liegeplatz genau dann erreicht wird, wenn er auch frei ist. Existierende Lade-Engpässe, die häufig zu Schiffsstaus führen, ließen sich ggf. durch noch größere Container-Schiffe und innovative Container-Konzepte lösen. Das sind nur Beispiele.

Enorme Potentiale

Die Verbesserungspotentiale sind enorm. Trotz einer erwarteten Verdoppelung des Seefrachtverkehrs ließen sich die CO2-Emissionen durch kombinierte Maßnahmen bis 2050 um 60 Prozent reduzieren, schätzen Experten.