Luftfracht – eine gemischte Bilanz für 2015

In diesen Tagen hat der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft auf die Bedeutung der Luftfracht für den deutschen Außenhandel aufmerksam gemacht. Die Zahlen für das vergangene Jahr zeigen vordergründig beeindruckende Wachstumsraten.

So wurden 2015 Waren im Wert von 142 Milliarden Euro mit dem Flugzeug aus Deutschland exportiert – acht Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Luftfracht-Importen betrug das Wachstum sogar 15 Prozent. Dabei wurden Güter im Wert von 92 Milliarden Euro importiert.

Das Gros des luftgestützten Außenhandels findet naturgemäß mit Übersee statt. Hier ergab sich ein Warenwert von 207 Milliarden Euro. Das machten einen Anteil von mehr als 88 Prozent aus. Die Vereinigten Staaten stehen als Ziel- oder Ausgangsland an erster Stelle, gefolgt von China. Auf Lufttransporte im EU-Raum entfielen dagegen nur 27 Milliarden Euro Warenwert oder ein Anteil von 12 Prozent. Befördert werden vor allem hochwertige Güter, zum Beispiel Elektronik, optische und medizinische Instrumente, pharmazeutische und chemische Produkte sowie Maschinen.

Steigende Warenwerte – sinkende Mengen

Betrachtet man das reine Mengengerüst – losgelöst von Warenwerten – , ergibt sich ein etwas anderes Bild. Hier war das Frachtaufkommen auf deutschen Flughäfen mit einem Minus von 0,1 Prozent sogar leicht rückläufig. Insgesamt wurden etwas mehr als 4,4 Millionen Tonnen Luftfracht abgefertigt. Rund 2 Millionen Tonnen entfallen alleine auf den wichtigsten Umschlagplatz Frankfurt. Die Abnahme ist in erster Linie auf die Ausladungen zurückzuführen, sie gingen um 0,8 Prozent zurück, die Einladungen stiegen dagegen leicht um 0,4 Prozent. Das deutsche Luftfrachtaufkommen entwickelte sich damit im Weltmaßstab insgesamt unterdurchschnittlich. Denn hier betrug das Wachstum nach IATA-Angaben – gemessen in Frachttonnenkilometern – 2,2 Prozent.

Interessant sind auch die Zahlen zu den Luftfracht-Carriern. Hier mussten europäische Fluggesellschaften 2015 mit einem Minus von 0,1 Prozent ebenfalls ein etwas geringeres Transportaufkommen hinnehmen. Zu diesem Rückgang hat Lufthansa Cargo als eine der weltweit größten Luftfracht-Gesellschaften mit 2,9 Prozent Rückgang maßgeblich beigetragen. In bemerkenswertem Gegensatz dazu steht das starke Wachstum von Carriern aus dem Nahen Osten. Ihr Transportaufkommen wuchs 2015 um 11,3 Prozent. Den Anbietern aus Nahost kommt auch ihre starke Stellung im Passagier-Verkehr zugute, denn etwa die Hälfte der Luftfracht weltweit wird in Passagiermaschinen befördert.

Verschiebungen im Wettbewerb

Die relativ verhaltene mengenmäßige Entwicklung in Deutschland und Europa sowie das Wachstum der Nahost-Airlines zeigen die Verschiebungen im internationalen Luftverkehr, bei dem sich die arabische Halbinsel immer mehr zu einem wichtigen Drehkreuz entwickelt. Trotz der positiven Warenwert-Entwicklung der Luftfracht in Deutschland – zum Ausruhen besteht angesichts des zunehmend härteren Wettbewerbs kein Anlass.